Könnte aber doch

24.08. - 22.09.2019

Württembegischer Kunstverein, Stuttgart

Ausstellung der Künstlermitglieder

Eine Ausstellung des Württembergischen Kunstvereins

 

Die Gegenwart ist immer schon Vergangenheit. Sie wird kollektiv und zugleich persönlich erlebt. Sie manifestiert sich durch die Handlungen in einem öffentlichen wie privaten, politischen wie poetischen, messbaren wie gefühlten Hier und Jetzt. Die Gegenwart ist, wenn sie als vermeintlich objektive Vergangenheit - wie beispielsweise in der Geschichtsschreibung - zu Tage tritt, vom Realismus der "harten" Fakten geprägt. Das auch Geschichtsschreibung nur eine Erzählung ist, die weder faktisch noch allumfassend, sondern vielmehr ideologisch, durch Herrschaftsverhältnisse, dominante Interessen und gleichermaßen subjektive wie ästhetische Sprachformen* geprägt ist, wird oftmals ignoriert. Gegenwart ist überdies immer auch das Zukünftige. Und je mehr sie zu immer kleineren Zeiteinheiten, die wir Fortschritt und/oder Wachstum nennen, schrumpft, desto mehr scheint sich der Horizont über dem, was war und dem, was kommt, zu verdunkeln: denken wir allein an die Verschiebungen des globalen Klimas. Nichts, was ist oder war, ist jedoch notwendig so, wie es ist oder war. Es könnte auch ganz anders (gewesen) sein.

 

"Wenn es Wirklichkeitssinn gibt, muss es auch Möglichkeitssinn geben", schreibt Robert Musil in Mann ohne Eigenschaften (1930) und fasst dies wie folgt zusammen:

 

"Wer ihn [den Möglichkeitssinn] besitzt, sagt beispielsweise nicht: Hier ist dies oder das geschehen, wird geschehen, muss geschehen; sondern er erfindet: Hier könnte, sollte oder müsste geschehen; und wenn man ihm von irgend etwas erklärt, dass es so sei, wie es sei, dann denkt er: Nun, es könnte wahrscheinlich auch anders sein. So ließe sich der Möglichkeitssinn geradezu als die Fähigkeit definieren, alles, was ebenso gut sein könnte, zu denken und das, was ist, nicht wichtiger zu nehmen als das, was nicht ist."

 

Der Konjunktiv "könnte aber doch" reißt eine ebenso schöpferische wie kritische Lücke ind das Gegenwärtige, eine Lücke, die das Gewesene mit dem Kommenden verkoppelt, also mit einer Zukunft, von der wir noch gar nichts wissen können.

 

Die Fridays for Future-Demonstrationen werden von einer Generation getragen, der es, so wird es von den Älteren oftmals kolportiert, angeblich an Lebenserfahrung fehlt. Was diese jungen Menschen ein- und zurückfordern, ist eine Zukunft, eine noch kommende Lebenserfahrung, die ihnen derzeit entzogen wird. Sie klagen eine Generation an, die sich trotz oder wegen ihres kritischen Denkens an jene ökonomischen, industriellen, militärischen und politischen Verhältnisse gewöhnt und angepasst hat, die jede zukünftige Lebensgrundlage gänzlich zu zerstören vermögen. Den Möglichkeitssinn, der uns Dank dieses Aufstands entgegenschlägt, zielt auf den Bruch mit dem scheinbar Faktischen und auf die Forderung, "alles was ebenso gut sein könnte, zu denken und das, was ist, nicht wichtiger zu nehmen als das, was nicht ist."

 

Was tun? Die Kunst hält viele Beispiele parat, die auf kritische, ironische, poetische, politische und/oder aktivistische Weise alternative Weltmodelle entwerfen, in denen Vergangenheit und Zukunft gleichermaßen als Möglichkeit neu erfunden werden.Die diesjährige Ausstellung der Künstlermitglieder des Württembergischen Kunstvereins möchte diesem Potenzial nachspüren.

 

*Der US-amerikanische Historiker Hayden White hat die Geschichtsschreibung als eine literarische Gattung analysiert und sie nach den rhetorischen Figuren der Metapher, Metonymie, Synekdoch und Ironie unterteilt. Siehe: Hayden White, Metahistory: Die historische Einbildungskraft im 19. Jahrhundert in Europa, Frankfurt am Main 1991 (Original: 1973).

 

 

Württembergischer Kunstverein

Schlossplatz 2

70173 Stuttgart

 

Fon: +49 (0)711 223370

Mail: zentrale@wkv-stuttgart.de

www.wkv-stuttgart.de

 

Öffnungszeiten:

Di, Do.-So 11- 18 Uhr

Mi 11 - 20 Uhr


Animalism

05.09. - 20.10.2019

Gudberg Nerger, Hamburg

Gruppenausstellung mit Dennis Busch, Jill Tegan Doherty, Marcus Günther, Nils Kasiske, Kristine Kolb, Svenja Maaß, Stefan Mosebach, Jenni Tietze

Ausstellungseröffnung 5. September, 19-23 Uhr

Handelt es sich beim Menschen nun um eine eigene Daseinsart oder um eine Art der Tiere? Die Philosophie und Soziologie hat darauf nie eine wirklich befriedigende Antwort gefunden. Aristoteles machte keinen Unterschied zwischen Mensch und Tier, Descartes schon – um nur zwei namhafte Vertreter zu nennen, die sich der Faszination Animalismus ebenso wenig entziehen konnten, wie alle Menschen, die nach Gegensätzen und Gemeinsamkeiten zwischen Mensch und Tier suchen. Die Literatur konnte es ebenfalls nicht lösen, obwohl George Orwell mit seiner „Farm der Tiere“ schon ein sehr nachvollziehbares Bild von seiner Überzeugung, dass der Unterschied so groß nicht sein kann, gezeichnet hat: Haben sich die Schweine in Orwells Fabel zunächst nicht nur das Lesen beigebracht, können die anderen Tiere sie am Ende nicht mehr vom Menschen unterscheiden.

Die Kunst hat da ihre ganz eigenen Möglichkeiten und liefert mitunter verblüffende Antworten in Bildern, Objekten oder Installationen. Was dabei auf den ersten Blick oft nach Vertierlichung des Menschen oder Vermenschlichung des Tiers aussieht, entpuppt sich nicht selten als erschreckend realistische Version einer Kreuzung, die es am Ende vielleicht auf den – fantastischen – Punkt bringt. So entstehen ganz eigene Identitäten mit körperlichen Formen und charakterlichen Merkmalen, die wie ein Eingriff in die Schöpfung wirken und dabei unweigerlich nicht selten komisch bis grotesk erscheinen. Ein reines Vergnügen für alle, die sich mehr vorstellen wollen, als das, was sie sich vorstellen können.

Die Ausstellung Animalism zeigt herausragende Arbeiten acht Künstler, die sich auf ganze unterschiedliche Art und Weise mit dem Thema auseinandersetzen und immer schon gesetzt haben.

 


GUDBERG NERGER
Poolstraße 8
20355 Hamburg

 

www.gudbergnerger.com

 

Öffnungszeiten:
Mo-Fr 10-18 Uhr
Sa 12-18 Uhr


Neurose

05.10. - 19.10.2019

Atelier MG, Düsseldorf

Am Freitag den 4. Oktober 2019 um 19.00 Uhr, eröffnet Marcus Günther seine Atelier-Ausstellung Neurose.

Zu sehen sind Videoinstallationen, die sich mit dem Thema Neurose auseinandersetzen.

 

 

Atelier MG

Prinz-Georg-Strasse 40

40477 Düsseldorf

 

ateliermg@gmx.de

www.atelier-mg.org

Öffnungszeiten:

nach Vereinbarung


Erinnerungen

15.02. - 07.03.2020

Atelier MG, Düsseldorf

Am Freitag den 14. Februar 2020 um 19.00 Uhr, eröffnet Marcus Günther seine Atelier-Ausstellung Erinnerungen.

Zu sehen sind Arbeiten unterschiedlichster Medien, die in der Ära-Merkel entsanden sind, bzw. die sich künstlerisch mit der Person Angela Merkel auseinandersetzen.

 

 

Atelier MG

Prinz-Georg-Strasse 40

40477 Düsseldorf

 

ateliermg@gmx.de

www.atelier-mg.org

Öffnungszeiten:

nach Vereinbarung